Profil- und Arbeitsschwerpunkte der GMW (2011/2012)

Der derzeitige Vorstand der GMW hat in den letzten Vorstandssitzungen die Ausrichtung der Tätigkeiten für 2011/2012 im Sinne der folgenden Profil- und Arbeitsschwerpunkte festgelegt:

Profil- und Arbeitsschwerpunkte der GMW (2011/2012)

Die Weiterentwicklung der GMW ist mit strukturellen und thematischen Prozessen des Wandels verbunden. Beides hängt zusammen, kann aber für die Erarbeitung konkreter Strategien analytisch zunächst getrennt werden. Dies soll im Folgenden geschehen.[1]

1. Struktureller Wandel

Es ist wichtig für die Weiterentwicklung der GMW, die Gesellschaft als aktive Gesellschaft zu sehen und zu fördern: aktiv im Sinne einer zwar heterogen zusammengesetzten, aber an gemeinsamen Interessen arbeitenden Gemeinschaft versus einer primär Dienstleistungen erwartenden Gruppe. Nur auf diesem Wege kann eine insgesamt eher kleine Gesellschaft wie die GMW, den in den letzten Jahren immer deutlicher werdenden neuen und erhöhten Anforderungen, die das Thema „(digitale) Medien in der Wissenschaft“ mit sich bringt, sinnvoll begegnen. Ein wesentliches Element stellt dabei die Schaffung von Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Vorstand und Mitgliederbasis dar. Um eine aktivere Gesellschaft zu werden, greift die GMW hier bspw. auf bekannte Social Software-Angebote zurück: Führen der Homepage in Form eines Weblogs, Anbindung an soziale Netzwerke (z.B. Facebook) oder Nutzung alternativer Informationskanäle (z.B. Twitter) sowie eine angemessene Integration dieser und ähnlicher Angebote auf der GMW Jahrestagung, um eine On- und Offlinebeteiligung aller Interessierten zu ermöglichen.“ Alle diese Möglichkeiten sollen dazu beitragen, die bisher oftmals „vorstandslastige“ Struktur der GMW zu lockern und zu dezentralisieren.

Zusätzlich wurde das bereits bestehende Arbeitsgruppenkonzept weiter ausgebaut, aber bewusst in eine etwas andere Richtung. Es ist nun möglich, dass GMW-Mitglieder ohne große Hürden Initiativgruppen gründen, wenn sie unter dem Dach der GMW ein Thema bearbeiten wollen. Entwickelt sich eine Initiativgruppe nach einer Mindestlaufzeit von einem Jahr zu einer stabilen Gruppe, die längerfristig weiterarbeiten will, kann diese zu einer Interessensgruppe der GMW werden. Im Unterschied zu einer Initiativgruppe kann und soll eine Interessensgruppe die GMW auch nach außen mit speziellen Themen vertreten, je nach Thema stärker forschungsorientiert, politisch etc. tätig sein, eventuell eigene Möglichkeiten auf den GMW-Jahrestagungen erhalten – um hier nur erste Ideen zu nennen.

Unsere Hoffnung besteht darin, dass sich Initiativ- und Interessensgruppen zumindest auch um Themen mit „Hebelwirkung“ bilden. Themen (oder auch Aktionen) mit Hebelwirkung sind solche, die ein neues Licht auf ein für die GMW wichtiges Phänomen werfen und dabei das Potenzial haben, Einfluss auf die öffentliche Meinung, auf politische Entscheidungen oder den wissenschaftlichen Mainstream nehmen.

Mit der aktuellen Weiterentwicklung der Hochschulen bilden sich neue bzw. veränderte akademische Strukturen zur Unterstützung von Forschung, Studium und Weiterbildung mit digitalen Medien, die mit entsprechenden personellen und infrastrukturellen Entwicklungen einhergehen (Stichwort: Third Space; Campus Management-Systeme). Sie stellen ein wichtiges, komplementäres Dienstleistungsangebot zu bestehenden E-Learning-Aktivitäten und den umgebenden IT-Infrastrukturen für das Studieren und Forschen dar. Rolle und Aufgabe dieses Bereichs gilt es im Interesse beider Handlungsbereiche im jeweiligen institutionellen Kontext klar zu definieren.

2. Thematischer Wandel

Im Sinne eines thematischen Wandels ist es wichtig, die Gesellschaft als themenspezifische Gesellschaft zu sehen und zu fördern: themenspezifisch im Sinne einer zwar offen, aber fokussiert arbeitenden Gemeinschaft, die sich über Themen auch ihr Selbstverständnis erarbeitet und dieses fortwährend weiterentwickelt. Die GMW wird damit auf Grund ihrer durch die Mitglieder gebündelten Expertise im deutschsprachigen Raum zum Trendsetter für Themen aus dem Feld der (digitalen) Medien in der Wissenschaft.

Der bisherige thematische Fokus – digitale Medien für Lernen und Lehren an der Hochschule – ist keineswegs überholt. Wohl aber erkennen wir, dass sich ausgehend vom bisher fokussierten E-Learning neue Herausforderungen auftun, die in die folgenden Richtungen gehen und die dazu auffordern sollen, Themen und Aktionen mit Hebelwirkung zu lancieren. Damit sind möglichst solche Themen gemeint, die kein „Add-on“ sind, sondern qualitativ neue Optionen bieten und das GMW-Umfeld und die dort zu beobachtenden Zustände oder Entwicklungen anschlussfähig und doch mit neuer Perspektive aufnehmen:

(a) Medien in der Wissenschaft

Wir denken hier z.B. an die Rolle digitaler Medien in Forschungsprozessen (Stichworte: Wissenschaftsportale, digitale Arbeitsumgebungen/Forschungsplattformen, Personal Learning Environments), wie auch an die Rolle die Forschung bzw. verschiedener Forschungsauffassungen und -praktiken für die Verbesserung des Lernens und Lehrens durch digitale Medien spielen. In Anlehnung an die Vergangenheit der GMW, die sich um die Jahrtausendwende stark über Forschungsförderung im Bereich E-Learning entwickeln konnte, regen wir an, neue Förderprogramme anzustoßen bzw. zu deren Initiierung beizutragen und/oder zu nutzen.

(b) Öffnung bzw. Öffentlichkeit (i. w. S. auch Gesellschaft)

Open Access und Offene Bildungsresourcen: Im Blick haben wir hier z.B. nicht nur freie Bildungsressourcen, sondern auch freie Bildungspraktiken sowie freie Forschungsressourcen und –praktiken, was zugleich ein Thema mit Hebelwirkung wäre. Eine Aktion mit Hebelwirkung wäre in diesem Themenfeld ein eigenes GMW-Journal im Open Access-Format und mit „anderem“ Peer Review-Verfahren. Hier gibt bereits die Möglichkeit, mit der bestehenden Zeitschrift für E-Learning zu kooperieren.

Öffnung und Vernetzung: Die GMW adressiert Bereiche und AkteurInnen akademischer Forschung, Lehre und Weiterbildung gleichermaßen. Wir halten es im Sinne einer nachhaltigen Veränderung der akademischen Forschungs- und Lehrlandschaft für zukunftsweisend, wenn sich die GMW mit ihren tendenziell überfachlichen Themen verstärkt öffnet und mit Arbeitsgruppen von Fachgesellschaften vernetzt, die sich ebenfalls mit der (fachspezifischen) Bedeutung von digitalen Medien auseinandersetzen.

Öffnung zu anschließenden Bildungssektoren: Themen mit Öffnungscharakter können auch im Hinblick auf neue Zielgruppen und „Stakeholder“ für den Einsatz digitaler Medien in der Hochschule interessant werden. Zu nennen sind schließlich Themen, die mit vorangehenden und anschließenden Systemen der Hochschule zu tun haben (vor allem Schule und Wirtschaft).

Internationale Öffnung: Eine weitere Richtung betrifft die Anbindung an internationale Entwicklungen und Diskussionen. Die bisherige Fokussierung auf die DACH Region war auf Grund ähnlicher Strukturen in den drei Ländern nachvollziehbar, und scheint sich aktuell durch die sich verändernden E-Learning-Landschaften in den drei Ländern eher zu festigen (Stichwort: Einrichtung von E-Learning-Zentren an Hochschulen). Es ist zu überlegen, die stark interdisziplinär verankerte GMW aktiv für Interessierte anderer europäischer Länder zu öffnen (z.B. GB, NL, FL) und damit den Kurs europäisch zu erweitern.

Infolge eines dynamischen Umfeldes, das die GMW mit ihrem Technologiebezug unweigerlich hat, verändern sich auch die Themenschwerpunkte mit der Zeit. Aus diesem Grund artikulieren wir für den Moment die oben genannten Themenerweiterungen und sprechen uns dafür aus, künftig die Entwicklung im Auge zu behalten und die thematische Ausrichtung der GMW anzupassen, wo es sinnvoll erscheint. Mit den Themenschwerpunkten wollen wir zur Meinungsbildung in der GMW beitragen, nicht aber Themen vorgeben oder unbegründet begrenzen.

Deutlich plädieren wir für eine spürbare Änderung des „klassischen Gravitationszentrums“ der GMW auf „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“ in seiner gesamten Bandbreite, weil wir darin die Chance sehen, den bestehenden Zielgruppen Entwicklungsoptionen aufzuzeigen, aber auch neue Zielgruppen anzusprechen sowie den bestehenden und künftigen Aktionen mehr „Gehör“ und Einfluss in der Bildungspraxis, Bildungsforschung und Bildungspolitik zu verschaffen.

In diesem Sinne sieht das konkrete Arbeitsprogramm der Vorstandsperiode 2011/12 wie folgt aus:

Punkt 1: Mitgliederinitiativen unterstützen und veröffentlichen

Die GMW wird zukünftig Initiativgruppen unterstützen, in denen Mitglieder Themen, die für sie von Relevanz sind, erarbeiten. Nicht alle Initiativgruppen-Mitglieder müssen GMW-Mitglieder sein. Es reicht, wenn zwei federführende Initiativgruppen-Mitglieder GMW-Mitglieder sind.

Punkt 2: GMW Fellowship Auszeichnung einführen

Die GMW möchte zukünftig Mitglieder, die sich besonders um das Thema Medien in der Wissenschaft oder die Entwicklung der GMW verdient gemacht haben, als „Fellow“ auszeichnen.

Punkt 3: Blogbericht des Vorstandes

Der GMW Vorstand wird zukünftig regelmäßig, zweimal jährlich im Blog über die Arbeit im Vorstand berichten. Zwischenzeitlich wird es Blogeinträge einzelner Vorstandsmitglieder zu Einzelthemen geben.

Punkt 4: Virtuelle Konferenzteilnahme

An der GMW-Tagung soll zukünftig eine sinnvolle gestaltete virtuelle Konferenzteilnahme ermöglicht werden, so dass damit eine konkrete Verbesserung der Tagung einhergeht.

Punkt 5: Facebook Gruppe für GMW aufbauen

Die GMW wird fortan eine GMW Facebook Gruppe aufbauen.

Punkt 6: GMW-Website

Die Website der GMW wird überarbeitet um zukünftig besser und schneller Informationen für Mitglieder anbieten zu können.

Punkt 7: GMW-Qualitätsforum

Die GMW wird zukünftig ein Qualitätsforum aufbauen, in dem sich Initiativen aus den DACH Ländern vernetzen und austauschen können.

[1] Das in diesem Papier verwendete „wir“ bezeichnet Mitglieder des GMW-Vorstandes.

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